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Prof. Dr. Gabrielle Oberhänsli-Widmer


Mit der kürzlich erschienenen Monographie zu jüdischen Vorstellungen vom Bösen (Gabrielle Oberhänsli-Widmer, Bilder vom Bösen im Judentum. Von der Hebräischen Bibel inspiriert, in jüdischer Literatur weitergedacht, Neukirchen-Vluyn 2013) teilen die unten angeführten Projekte den gemeinsamen Forschungsschwerpunkt literarischer Wirkungsgeschichte. Dabei bedarf sowohl das Konzept der Rezeption als auch der Begriff ‚Literatur‘ einer kurzen Klärung.

Bedingt durch die über zwei Jahrtausende andauernde Diaspora und mangels anderer Identifikationswerte (wie etwa territorialen Besitzes oder staatlicher Autonomie) hat sich das Judentum mehr als andere Gemeinschaften auf seine Traditionstexte konzentriert, sodass sich daraus eine spezifische, auf die Vergangenheit (vor allem auf Bibel und Talmud) fixierte Kreativität entfaltet hat, welche über die Epochen hinweg und bis in das zeitgenössische Literaturschaffen wächst. Jüdisches Denken – egal ob religiös oder profan, spätantik oder modern – erweist sich insofern ganz wesentlich als aktualisierende Neuaneignung biblischer und rabbinischer Geschichte und Geschichten. Über die Generationen bleiben jüdische Autoren auf solche Weise miteinander im Gespräch. Die Wirkungsgeschichte alttestamentlicher und midraschischer Figuren, Texte oder Bilder ist mithin das Kerngeschäft der Judaistik überhaupt.

Insofern meint ‚jüdische Literatur‘ kein belletristisches Korpussegment, sondern umfaßt ein breites Repertoire theologischer, historischer und fiktionaler Gattungen: Thora, Talmud, Mythos, narrative Historiographie, liturgische Lyrik, religiöse Erbauung, halachische Diskussion bis hin zum zionistischen Manifest oder zum zeitgenössischen Theater – um nur ein paar ausgewählte Genres konkret zu nennen. Dementsprechend wird auf eine Unterscheidung zwischen Theologie, erzählender Geschichte oder Dichtung verzichtet, da für die hier anvisierte histoire de mentalité allein die Textwahrheit zählt. Gegen eine allzu willkürliche Grenzziehung zwischen den Disziplinen ist zudem anzuführen, dass mitunter Tatsachen die gräßlichsten Feinde der Wahrheit sein können (Amos Oz). Literatur folglich verstanden als Dokumentationspool von kollektivem Gedächtnis, als Notizbuch kollektiver Phantasie.

Die zurzeit bearbeiteten und geplanten Projekte wollen folglich einen Beitrag zur jüdischen Kultur-, Literatur- und Religionsgeschichte leisten und gleichzeitig jüdische Subtexte und Substrate europäischer Geistesgeschichte freilegen. Nicht zuletzt wird damit einem zunehmend um sich greifenden biblischen Analphabetismus entgegengewirkt, indem der wissenschaftliche und säkulare Zugang gefährdetes Kulturgut neu erschließt.

Abschließend sei erwähnt, dass das Metier jüdischer Rezeption eine intensive Übersetzungsarbeit fordert, allem voran die Übertragung aus dem Hebräischen auf dem Gebiet des rabbinischen Schrifttums, mittelalterlicher Lyrik sowie moderner hebräischer und zeitgenössischer israelischer Literatur. Insofern ermöglichen die Projekte auch einen direkten Zugang zu zahlreichen Texten, die einem nicht Hebräisch kundigen Publikum ansonsten verschlossen wären.
(Vgl. dazu auch die Rubrik ‚Aus jüdischen Quellen‘ in der Fachzeitschrift ‚Judaica’ im Druck und unter: https://www.zuercher-lehrhaus.ch/).

 
 



 
Gabrielle Oberhänsli-Widmer/ Michael Welker (Hg.), Liebe. Jahrbuch für Biblische Theologie 29 (2014), Neukirchen-Vluyn 2014

 

Im Rahmen ihrer Tätigkeit als Mitherausgeberin des Theologischen Jahrbuches und im Anschluss an den vor zwei Jahren erschienenen Band zur Thematik des Bösen (Jörg Frey/ Gabrielle Oberhänsli-Widmer [Hg.], Das Böse. Jahrbuch für Biblische Theologie 26 [2011], Neukirchen-Vluyn 2012) bearbeitet Gabrielle Oberhänsli-Widmer zusammen mit dem Theologen und Dogmatiker Michael Welker (Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg) den Themenband ‚Liebe’.

Dabei umfasst das Jahrbuch sowohl die religiösen als auch die sinnlichen Aspekte des Phänomens: Gottesliebe, Caritas und Humanität, doch ebenso Amor, Leidenschaft und Eros. Herausragende Figuren, Motive und Bilder der Liebe – von David als dem biblischen Liebhaber par excellence bis zur paulinischen Wortprägung von Glaube-Liebe-Hoffnung, vom Hohenlied bis zur Fußwaschung, von Qumran-Dokumenten bis zur heutigen hebräischen Dichtung – versuchen das Beziehungsmysterium zu enträtseln und das Spannungsfeld zwischen Erhabenheit und Verklärung, Ambiguität und Abgründen auszuloten. Ein bereichernder und aufregender Streifzug durch die Bibel und ihre christliche und jüdische Wirkungsgeschichte.

Mit Beiträgen von: Thomas Böhm, Mariano Delgado, Walter Dietrich, Heinz-Josef Fabry, Camille Focant, Ottmar Fuchs, Anselm C. Hagedorn, Anni Hentschl, Ralf Koerrenz, Matthias Konradt, Gabrielle Oberhänsli-Widmer, Risto Saarinen, Andreas Schüle, Andrea Taschl-Erber, Gerd Theißen, Günter Thomas, William Schweiker und Michael Welker.

 
 



 

Gabrielle Oberhänsli-Widmer, „Lege mich wie ein Siegel an deinen Arm!“ Jüdische Lebenswelten im Spiegel ihrer Liebesliteratur

 

Der im Titel anzitierte Vers des Hohenliedes (‚Lege mich wie ein Siegel an dein Herz, wie ein Siegel an deinen Arm, denn stark wie der Tod ist die Liebe‘; Hoheslied 8,6) hat nicht nur ungezählte Theologen zu geistigen Höhenflügen bewegt, sondern auch manch verliebte Leserin zu zärtlichen Träumereien verleitet. Gleichermaßen hat dieses Schir ha-Schirim Rabbinen und jüdische Autoren über die Jahrhunderte zu einer reichen Liebesliteratur inspiriert. Einen kleinen Einblick in das Korpus vermittelt der Artikel von Gabrielle Oberhänsli-Widmer mit dem Titel „’Deine beiden Brüste – das sind Mose und Aaron.’ Vom Einfluss des Midrasch zum Hohenlied auf die hebräische Liebesliteratur“ im oben aufgeführten Jahrbuch. Den literarischen Schatz dieses Korpus gilt es zu heben, da hier das Lebensbuch des Judentums zu einem ausgesprochen lebensfrohen Thema aufgeblättert wird.

Ausgehend von ausgewählten Texten will die Studie einen repräsentativen diachronen Querschnitt jüdischer und insbesondere hebräischer Liebesliteratur geben, wobei die Texte in erster Linie als Dokumente ihrer spezifischen Lebenswelten mit ihrem je eigenen historischen und ideologischen Rahmen gelesen werden: Exil, Zionismus, Schoa, Staatsgründung und andere mehr.

Neben berühmte Werke wie das biblische Hohenlied, Ans-Kis jiddisches Drama ‚Der Dibbuk’ oder Amos Oz’ Roman ‚Mein Michael’ treten auch Texte mit wesenseigenen jüdischen Aspekten im Mann-Frau-Verhältnis wie beispielsweise das Levirat, die Problematik der Aguna (eine ohne Scheidebrief verlassene Ehefrau) oder die Mischehe. Ob offensichtlich religiös oder dezidiert profan: Stets scheint die jüdische Liebesliteratur ein spezifisches Merkmal zu tragen: einen Hauch von Transzendenz, der alle Welt- und Sinnlichkeit umweht – nicht zuletzt als Relikt des rabbinischen Erbes mit dessen konsequent allegorischer Auslegung des biblischen Hohenliedes.

Eine Monographie? Ein kommentierter Reader? Ein vergnügliches Lesebuch unter didaktischer Anleitung? Auch auf die Form kann man gespannt sein.

 
 



 

Gabrielle Oberhänsli-Widmer, Klassiker der Jüdischen Literatur: Glanzlichter einer Erfolgsgeschichte

 

Während die Realgeschichte des Judentums von Vertreibungen, Verfolgungen und Pogromen überschattet ist, erweist sich demgegenüber seine Textgeschichte als ein einziger Siegeszug – und dies nicht nur in den spezifischen jüdischen Sprachen wie Hebräisch, Jiddisch oder Ladino, sondern ebenso in nahezu allen Sprachen der Gastvölker.

Als Herausgeberin der Fachzeitschrift ‚Kirche und Israel’ stellt Gabrielle Oberhänsli-Widmer in ihrer Rubrik ‚Klassiker der jüdischen Literatur’ seit über zehn Jahren die Glanzlichter dieser reichen jüdischen Bibliothek kontinuierlich vor: angefangen bei nachbiblischen Werken der Antike – wie etwa dem hellenistisch Liebesroman ‚Joseph und Aseneth’ oder der Tierapokalypse des Henoch-Buches – bis hin zum zeitgenössischen hebräischen Kinderbuch oder zum israelischen Roman.

Im Rahmen der interreligiösen und interkulturellen Zeitschrift liegt das Augenmerk wesentlich auf den gegenseitigen Einflüssen von jüdischen und außer-jüdischen Ideologien: Inwiefern hat das Judentum die allgemeine europäische Geistesgeschichte bereichert, und wie hat es sich auf der andern Seite an ihr genährt? Welchen Regeln folgt die Interaktion zwischen jüdischer und europäischer Literatur, zwischen Orient und Okzident? Insofern thematisieren die ‚jüdischen Klassiker’ nicht zuletzt die Schnittstellen zwischen den Kulturen, gehen ihren Rändern nach und spüren ihre Berührungspunkte auf.

Inzwischen sind die ‚jüdischen Klassiker’ auf eine stattliche Anzahl Beiträge gewachsen, die schließlich zu einer Literaturgeschichte zusammengefügt und erweitert werden sollen.

(Vgl. die Rubrik ‚Klassiker der jüdischen Literatur’ von ‚Kirche und Israel’ zweimal jährlich im Druck sowie unter: http://www.kirche-und-israel.de/).

 
 



 

Gabrielle Oberhänsli-Widmer, Jahrhunderte und Jahrtausende hebräischer Verse

 

Hebräisch ist sowohl die antike Sprache der Bibel als auch das erfolgreichste linguistische Start-up-Unternehmen der Moderne – eine Zeitspanne von dreitausend Jahren. Entgegen dem ebenso gängigen wie falschen Klischee, dass Hebräisch um die Zeitenwende gänzlich vom Aramäischen verdrängt und somit zu einer toten Sprache wurde, dokumentieren allen voran Liturgie und Lyrik die ungebrochene Lebenslinie ebenso wie die linguistische Entwicklung des Hebräischen – vom dichterischen Potential der Sprache ganz zu schweigen.

Dies einem deutschsprachigen Publikum anhand einer Anthologie kommentierter Verse zu zeigen, scheint nicht nur eine äußerst reizvolle Aufgabe, sondern ebenso das Desiderat eines kulturell, philologisch und historisch interessierten Lesepublikums. Biblische Poesie, spätantike Pijjutim, hochmittelalterliche höfische Dichtung, moderne Klassik (einsetzend mit Chajim Nachman Bialik) und zeitgenössisches israelisches Chanson ragen dabei als besonders eindrückliche Höhenkämme aus einer einzigartigen Literatur. Die über große Zeiträume und zahlreiche Länder verstreuten Gedichte werden gesucht, gesichtet, im Hinblick auf ihre Repräsentativität ausgewählt und neu oder erstmals übersetzt. Zu bekannten Versen gesellen sich so auch unbekannte Schönheiten oder zu Unrecht verkannte lyrische Mauerblümchen. Den Texten beigefügt ist je ein kurzer Kommentar, der Epoche, Entourage und Charakteristika erläutert.

Die Sammlung wächst momentan als Nebenprodukt der intensiven Übersetzungsarbeit, welche für die Vorlesungen geleistet wird.

Als vergleichbare Muster sind T. Carmis englisch-hebräische Sammlung (T. Carmi, Hebrew Verse, London 1981) oder Peter von Matts kommentierte Gedichtreihe heranzuziehen (Peter von Matt, Wörterleuchten. Kleine Deutungen deutscher Gedichte, München 2009).

(Vgl. dazu auch: https://www.hebrew-academy.huji.ac.il/
https://www.pijut.org.il/english/).

 
 



 

Gabrielle Oberhänsli-Widmer, „Und Moses schrieb mit Tränen nieder“. Moses als Mythos und Mitte des Judentums

 

Als komplementäre Studie zur Rezeption Hiobs (Gabrielle Oberhänsli-Widmer, Hiob in jüdischer Antike und Moderne. Die Wirkungsgeschichte Hiobs in der jüdischen Literatur, Neukirchen-Vluyn 2003) ist als langfristiges Projekt eine Monographie zur Rezeption des Moses geplant.

Bereits das im Titel zitierte talmudische Motiv (Baba Batra 15a) steht für das nachbiblische jüdische Sondergut. Das Schrifttum über Moses ist über die Jahrhunderte zu einer imposanten Bibliothek von Monographien und Kommentaren, Historischem und Fiktionalem, Prosa und Lyrik, Oper und Drama gewachsen. Obwohl sich das Korpus kaum noch überblicken lässt, schält sich in der jüdischen und speziell in der hebräischen Literatur dennoch eine Typologie heraus, welche die biblische Gestalt epochenübergreifend auf drei Typen reduziert: den Moses-Messias, den ägyptisierten Moses und den entheroisierten Moses. Eine solche Typologie beschäftigt sich mit den maßgeblichen Ideologien des Judentums, denn seit mehr als zweitausend Jahren projizieren Denker und Dichter sowohl ihre Ideale wie auch ihre Kritik am Judentum in den Protagonisten der Thora: von Philo bis Freud, von Ben Sira bis Meir Shalev oder von den rabbinischen Weisen bis zu den geistigen Vätern des Zionismus.

Grundlage der Projektes ist der dreiteilige Vorlesungszyklus von Gabrielle Oberhänsli-Widmer zu Helden und Verlierern in jüdischer Tradition (SS 2013: ‚Über Löwenbezwinger und Luftmenschen – Helden und Verlierer in hebräischer Literatur und jüdischer Tradition‘; WS 2013/14: ‚Moses – Mythos und Mitte des Judentums‘; SS 2014: ‘“... weil das Saulsche Königshaus ganz ohne Makel war“ – Die Rehabilitierung Sauls in der jüdischen Rezeption‘).

(Vgl. auch den Vortrag von Gabrielle Oberhänsli-Widmer zum Thema ‚Die Entheroisierung des Moses im klassischen Judentum‘ im Rahmen des Sonderforschungsbereiches ‚Helden – Heroisierungen – Heroismen‘ beziehungsweise der Tagung ‚Sakralität und Heldentum‘ vom 21.-22. November 2014 an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg; www.sfb948.uni-freiburg.de).
 

Orientalisches Seminar

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