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Liebessonette / Zwiegespräch

Liebessonette

aus dem Hebräischen von Anette Andrée


1.

Du warst für mich wie gesegnete Erde,
auf der mein Schritt nicht stolpern wird,
wie Land, das ohne Absicht nährt
den schlichten Halm und die reiche Blüte.

Du warst für mich wie Vergütung und Vergebung
für die Launen meiner von Schmerz zerrissenen Art,
wie der Bach an den Saum des Waldes
schmiegte ich mich, kniete in deinem Schatten.

Und dein guter und bescheidener Blick
vergoss über mich das strahlende Licht des Kosmos,
wie auf einem Zweig ein winziger Tropfen Tau -

lichte Fernen in ihm, wolkenlos
und die Höhen eines geflügelten Firmaments.1

(1948)



Zwiegespräch


Er

In deinem Schweigen versank wie in Meerestiefe
mein bitteres Wort. Ich liebte eine, die auf mich hörte -
zu mir hin aus echolosen Weiten wehte
die Gleichmut deines Fleisches, erbarmungslos und ohne Güte.

Dein Körper war für mich Exil und Ferne.
Wie aus einem See kehrt aus deinem Blick
stets mein hartes Ebenbild zu mir zurück,
aus deiner Helle – meine dunkle Seele,

mein Elend – aus Herrlichkeit und Glück.
Zur zweifachen Einsamkeit bist du für mich der Weg.
---


Sie


Licht brach hervor. Schlug auf meine Augen,
löschte mit seiner Flamme alle anderen Umrisse.
Eine Einöde hast du mir hingesetzt, eine blinde Wüste,
eine Festungsmauer ließt du in mir erbauen.

Sieh doch, fest verschlossen bin ich,
von Einsamkeit verbrannt, hin zu einer fremden
Welt trug ich meine Asche in den Händen,
über mein Ende aber war ich glücklich.

Aber wehe, wehe für uns zwei, wenn es so wäre,
und ich aufzuerstehen von der Asche mich erhöbe,
und meine Augen zum doppelten Blick sich öffnen würden.

Und in einem Jahr nichts weiter zurückgeblieben,
als die Erinnerung an dein Bildnis einer Fremden
und ein Hauch von Wermut auf den Lippen.

(November 1945, Kislev 5706)

Lea Goldberg, Sonetot Ahava; Du-siach, in: dies., Schirim (Gedichte), herausgegeben von Tuvia Rübner, Band 2, Bnei-Brak 2008, 36,44-47.



1 Der Gematria zufolge hat das hebräische Wort für 'Liebe' ('Ahava') den Zahlenwert dreizehn. Daher hat Lea Goldberg diesem wie auch der Mehrzahl der übrigen Liebessonette in dem Zyklus nur dreizehn statt der für das Sonett üblichen vierzehn Verse gegeben.



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